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Call for Papers

Call for Papers

Shakespeare Jahrbuch 159 (2023)

“Shakespeares Odysseen”

Das Shakespeare Jahrbuch 2022 wird dem Thema „Shakespeares Odysseen“ gewidmet sein. Die Redaktion bittet um Beiträge zu einschlägigen Themen, Konzepten und Debatten aus unterschiedlichen Perspektiven: zu Shakespeares Dramen und/oder seiner Lyrik; zu Inszenierungen, Adaptionen und spin-offs dieser Texte oder auch zu Shakespeare-Bezügen in literarisch-künstlerischen Bearbeitungen von Homers Odyssee. Beiträge mit zeitgenössischen oder historischen Perspektiven sind gleichermaßen willkommen.

Shakespeare hatte Homers Werke nie direkt rezipiert, doch evozieren viele seiner Stücke und Gedichte eine homerische Welt. Die lateinischen Bearbeitungen von Vergil, Horaz, oder Ovid führten Figuren der griechischen Epen, Dramen und Mythologie in das England der Renaissance ein, wo sie durch Übersetzungen, Handbücher, Gedichte, Theaterstücke und zahlreiche literarische Anspielungen verbreitet wurden. Troilus and Cressida, dessen Vorlage wohl Chaucers mittelalterliche Adaptation geliefert hatte, porträtiert den Heroismus der Ilias aus der skeptischen Perspektive der traumatisierten Überlebenden in der Odyssee. Hamlets Anspielung auf Trojas Königin Hekuba verleiht dem Thema der Trauer einen epischen Resonanzraum, während die Vater-Sohn-Beziehung zwischen Odysseus und Telemachus sowie zwischen dem ermordeten Agamemnon und Orestes Vorbilder für das coming-of-age des jungen Hamlet oder auch Prince Hals in 1,2 Henry IV liefern. Neben Gertrudes Penelope bevölkern zahlreiche weibliche Figuren der Klage und der Verführung, aber auch der Rache und der Resilienz Shakespeares Dramen und Dichtungen. The Comedy of Errors, Twelfth Night, Pericles oder The Tempest erzählen von Irrfahrten und Schiffbruch, von Verlust und Wiedervereinigung, von Exil, Gastfreundschaft und Heimkehr. Durch Verkleidung, Magie, oder Unwissen prekär gewordene Identitäten werden in Szenen dramatischer (Selbst-)Erkenntnis enthüllt. Die Ankunft an neuen Gestaden (oder gar die Heimkunft) ist ausgestaltet als liminale Erfahrung der Unsicherheit und Desorientierung: “What country, friends, is this?” (TN, 1.2.1). Gastfreundschaft existiert in Spannung zu der Gefahr einer kolonialen Aneignung durch den fremden Ankömmling, wie Caliban zu seinem Schaden feststellen muss. –– Shakespeares Stücke bedienen sich nicht nur an Homerischen Figuren, Handlungen und Themen; ihre eigene Rezeptionsgeschichte von der frühen Neuzeit bis heute gleicht einer odysseeischen Wanderung durch verschiedene Genres, Medien, und Aneignungen.

Mögliche Themen wären:

Migration, Gastfreundschaft und Heimkunft

  • Erzählungen von Schiffbruch, Exil und Wanderschaft,
  • Gastfreundschaft und ihre Verletzung
  • Visionen von Heimat und die Gefahren der Heimkehr

 

Proteischer Gestaltwandel, Verwechslung und Identität

  • die Verschleierung von Identität und Verschleierung als Identität (trickster-Figuren)
  • Momente der Verkennung und des Wiedererkennens
  • Momente der kognitiven und affektiven Desorientierung

 

Krieg, Heldentum und sein Unbehagen

  • Kriegshelden und die Rhetorik des Heldentums
  • Darstellungen und Parodien der Ehre
  • Anti-Helden und Kritik an kriegerischer Männlichkeit

 

Expedition, Eroberung und Kolonialismus

  • translatio imperii (Troja – Rom – London): die trojanischen Ursprünge des Römischen Reiches und Britanniens; die Geschichte Trojas in der Entstehung frühneuzeitlicher nationaler Identität
  • die Zerstörung und der (Wieder-)Aufbau einer Zivilisation in den Stücken Shakespeares und seiner Zeitgenossen
  • Kolonialismus und seine Kritik in postkolonialen Schriften, die das homerische und das Shakespeare’sche Erbe miteinander verbinden

 

Subalterne Perspektiven auf das Epos: Frauen und Sklaven

  • Penelope-Figuren: verlassene Frauen und das Genre der Klage im frühneuzeitlichen England; Figuren weiblicher Widerstandskraft und Loyalität
  • Medea-Figuren: weibliche Rache, Verrat und Gewalt; die Gefahren des Heimkehrens
  • Circe/Calypso-Figuren: Verzauberung und Verführung, die zu männlicher Verwandlung und Selbstvergessenheit führen
  • Skylla/Charybdis-Figuren: weibliche Unersättlichkeit und monströse Begierde
  • Diener, Sklavenfiguren und ihr subalternes Wissen

 

Götter, übernatürliche Kräfte und die menschliche Natur

  • das Wesen des freien Willens und seine Begrenzung durch das Göttliche (Schicksal, Glück, Vorsehung)
  • übernatürliche Kräfte (Götter, Magie, Geister, Gespenster oder Ungeheuer) als Antagonisten und Spiegel der menschlichen Natur
  • die Rolle der klassischen Mythologie im Wissen über die natürliche Welt und die Beziehungen zwischen dem Menschlichen und dem Nicht-Menschlichen (Metamorphose, Transformation)

 

formale Überschneidungen von Epos und Drama in der frühen Neuzeit

  • die Sprache und die Erzählstrukturen des Epos in Shakespeares Stücken und Gedichten: epische Similes, Proöme, Rückblenden, eingeschobene Erzählungen, Anrufung der Musen, episches Erzählen und Zuhören, usw.
  • Homerische Figuren in dramatischen Aufführungen
  • Verhältnis zwischen Epos und Romanze, Epos und Historienspiel, Epos und Tragödie oder Komödie

 

Rezeption der griechischen Antike in der frühneuzeitlichen Kultur

  • frühneuzeitliche Homer-Übersetzungen und ihre Verbindungen zum Drama der Zeit
  • Figuren und Legenden der griechischen Mythologie in der frühneuzeitlichen Literatur
  • Griechische Theaterstücke um homerische Figuren auf der frühneuzeitlichen Bühne
  • die Rolle der mittelalterlichen Literatur in der frühneuzeitlichen Rezeption des klassischen Altertums

 

Das Nachleben des Epos in Neufassungen, Bearbeitungen und Wissenschaft

  • Geschichte der Forschung zu den Beziehungen zwischen Shakespeare und Homer
  • die Rolle von Homer und Shakespeare insbesondere in der Literatur der Moderne
  • postkoloniale und feministische Neufassungen, die Shakespeare und Homer miteinander verbinden
  • Werke der bildenden Kunst, einschließlich Filme und Fernsehserien, in denen Shakespeare-Figuren, -Szenen oder -Stücke im epischen Stil dargestellt werden

 

Bitte senden Sie eine elektronische Version (als Word/ docx-Datei) Ihres Artikels an die Herausgeberin des Shakespeare Jahrbuchs, Prof. Dr. Isabel Karremann (E-Mail: karremann@es.uzh.ch). Einsendeschluss für Beiträge (in englischer oder deutscher Sprache und von nicht mehr als 6.000 Wörtern) ist der 30. April 2022. Bitte beachten Sie das Style Sheet, das von der Website der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft (https://shakespeare-gesellschaft.de/shakespeare-jahrbuch/hinweise-fuer-beitraege-sj/) heruntergeladen werden kann.

Die Auswahl der Artikel erfolgt auf der Grundlage eines Double-Blind Peer-Review-Systems.