Shakespeare-Tage in Weimar 2004

Norbert Greiner

Norbert Greiner

Seit dem 18. Jahrhundert ist Shakespeare in Deutschland ein Thema deutscher künstlerischer und kritischer Selbsterkenntnis. Dabei ist die Geschichte der deutschen Shakespeare-Rezeption nicht zuletzt repräsentiert durch Friedrich Gundolfs einflussreiches Buch Shakespeare und der deutsche Geist weitgehend aus der Perspektive jener ästhetischer Standpunkte geschrieben, die von der Weimarer Klassik formuliert wurden. Demgegenüber deutet sich seit den frühen Tagen des Sturm und Drang, auch in den (später revidierten) Beiträgen des jungen Goethe und Schiller, ein davon abweichendes Shakespearebild an, das von der Klassik unbeachtet blieb und diese unbeachtet ließ, sich mit ihr auseinandersetzte oder sie sogar heftig ablehnte. Hier wie dort bot Shakespeare in jedem einzelnen Fall Anlaß, den eigenen dramaturgischen Standpunkt zu formulieren, und den Maßstab für eigenes Denken und dramatisches Schaffen. Auf diese Weise traten andere Aspekte des Shakespeareschen Werkes in den Blick als diejenigen, die für das dramatische Werk Goethes und Schillers entscheidend wurden. Daraus wiederum ergaben sich neue dramatische Modelle für die deutsche Bühne, die allerdings ein weiteres Jahrhundert lang im Schatten der deutschen Klassik standen, bis sie sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts, dann aber mit Nachdruck, durchzusetzen begannen.

Durs Grünbein

Durs Grünbein

Biographie:

Durs Grünbein wurde am 9. Oktober 1962 in Dresden geboren. Seit 1986 lebt er nach kurzzeitigem Studium in Berlin, als Dichter, Übersetzer und Essayist. Nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs führten ihn Reisen durch Europa, nach Südostasien und in die Vereinigten Staaten. Er war Gast des German Departement der New York University und der Villa Aurora in Los Angeles. Für sein Werk erhielt er mehrere Preise, darunter den Peter-Huchel-Preis, den Georg-Büchner-Preis und den Literaturpreis der Osterfestspiele Salzburg 2000. Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

Lesung:

Durs Grünbein liest zur Festveranstaltung.

James Stredder

Biography:

Dr. James Stredder, formerly Head of Drama at the University of Wolverhampton in England, now lives and works free lance in Stratford-upon-Avon. His book, "The North Face of Shakespeare: Activities for Teaching the Plays" has just been published. This is his second workshop in Weimar. The previous one was on "Hamlet" for the Deutschen Shakespeare Gesellschaft Conference in 1992.

Workshop: "Practical ways of introducing a Shakespeare play"

This workshop is designed to appeal both to teachers and to anyone else who is interested in working practically on texts. Those who wish to, may observe the workshop, though it is better to take part if you wish to make use of the techniques in your own teaching. The workshop will suggest that participants are students about to study a new play by Shakespeare, of which they know little or nothing. How useful are practical techniques in stimulating interest in the play's language, narrative and characters ? We shall work with "All's Well That Ends Well." No knowledge of the text will be assumed. The active techniques used in the workshop may be applied to other more familiar Shakespearian texts.