Referenten Herbsttagung 2009 in Köln

Ewan Fernie (London)

The Possessed: Edgar and Schreber

This paper will explore the strange association between goodness and the demonic in Edgar / Poor Tom.  Bradley called Edgar the most religious character in King Lear but the religious role that Edgar most expressly and intensely performs is of a terrifyingly demonic character.  This, I will argue, has been seriously underestimated in current criticism and I will go on to probe the conjunction of passion and possession in Edgar’s demonic masquerade in order to uncover some buried and provocative continuities between sex, the demonic and religious experience.  I will read Lear in juxtaposition with Daniel Paul Schreber’s Memoirs of My Nervous Illness (Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken), where God Himself replaces ‘the foul fiend’ as a sexually rapacious, possessing agent.    Schreber’s text has been a seminal one in the evolution of psychoanalysis from Freud to Deleuze and Guattari and beyond.  I want to bring it back to theology and into new conjunction with King Lear in order to define an agonised spirituality of possession in terms of radical susceptibility.  I will contrast this demonic mode with the spirituality of limitation and reserve which Shakespeare dramatises and embodies in Cordelia.  And I will argue that it is more existentially troubling, illuminating and even potentially inspiring for all than any psychopathologising of poor Schreber—any critical treatment of Poor Tom in terms of mere theatricality—is willing to confront.

Biography

Ewan Fernie is Reader in English at Royal Holloway, University of London.  He is the author of Shame in Shakespeare and editor of Spiritual Shakespeares and Reconceiving the Renaissance.  He is General Editor of the innovative Shakespeare Now! series with Simon Palfrey, with whom he has also recently completed Dunsinane, an ambitious novel which starts the day after Macbeth.   He is currently at work on a study of the neglected demonic element in modern literature and culture.  Fernie is also the Principle Investigator of the AHRC / ESRC funded project: ‘The Faerie Queene Now: remaking religious poetry for today’s world’. In connection with this he is about to embark on a series of collaborative liturgical experiments with the theologian Andrew Shanks and a group of contemporary writers, critics and representatives of different religions.


Hans Joachim Hermes, Marcel Hartwig (Chemnitz)

Werktstattbericht: DFG-Projekt in Chemnitz zu Martin Lehnert

Seit April 2008 wertet eine Forschergruppe am Lehrstuhl für Anglistische Literaturwissenschaft an der TU Chemnitz einen Teilnachlass des 1992 verstorbenen Anglisten Martin Lehnert aus. Lehnerts Bibliothek im Endumfang von ca. 2.200 Bänden enthält zahlreiche Geschenke und Rezensionsexemplare. Die hereinkommenden Briefe verwahrte der einstige Professor auf dem Lehrstuhl für Anglistik an der Humboldt-Universität zu Berlin in den Werken seiner Korrespondenzpartner. Das an der TU Chemnitz angesiedelte DFG-Projekt übernimmt die „Überführung der Korrespondenz des Anglistischen Literaturwissenschaftlers Martin Lehnert (1910 1992) in einen digitalen Bestand sowie Erschließung durch eine Datenbank“. In diesem Werkstattbericht geben der Projektleiter Dr. Hermes und der wissenschaftliche Mitarbeiter Marcel Hartwig Einblick in die laufenden Arbeiten, berichten über wichtige Funde und stellen die Form der Datenerschließung näher v

Biographische Kurzangaben

Hans Joachim Hermes studierte Anglistik und "Wissenschaft von der Politik" (Politik, Soziologie, Volkswirtschaftslehre, Pädagogik, Publizistik) an der Georg-August-Universität Göttingen und der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster. Nach seinem Staatsexamen promovierte er 1974 über "Die Lieder im anonymen englischen Renaissance-Drama 1580-1603" in Münster. Im Anschluss daran war er Referendar an der Universitätsbibliothek Münster und trat 1975 als Bibliotheksrat in den Wissenschaftlichen Dienst der Bibliothek ein. Ab 1993 übernahm Dr. Hermes die Position des Leitenden Bibliotheksdirektors an der Universitätsbibliothek der TU Chemnitz. Im Jahr 2000 beteiligte er sich an der Erarbeitung und Niederschrift der Universitätsgeschichte der TU Chemnitz. Seit Januar 2004 ist Dr. Hermes Dozent im Fach Anglistische Literaturwissenschaft an der TU Chemnitz.  

Marcel Hartwig studierte Anglistik/Amerikanistik, Psychologie und Berufs- und Wirtschaftspädagogik an der TU Chemnitz und an der University of Glasgow (2004/05). Seit April 2008 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Projekt „Überführung der Korrespondenz des Anglistischen Literaturwissenschaftlers Martin Lehnert (1910-1992) in einen digitalen Bestand sowie Erschließung durch eine Datenbank“. Sein in der Amerikanistik angesiedeltes Dissertationsprojekt trägt den Titel: „Traum[a]deutung: Pearl Harbor und 9/11 - Zwei Wunden, eine Nation“.


Frank Rohde (Köln)

Workshop: Das Verhältnis der Protagonisten in King Lear – praktisch erprobt

In den letzen Jahren hat sich in Theatern als Möglichkeit zur Stückeinführung die Methode der szenischen Einführung entwickelt. In ihr entwickeln Workshopteilnehmer ausgehend von Einfühlungsmaterial, in Zusammenhang mit den Personenen eines Stücks eine individuelle Rollenperspektive und erleben durch ihre eigene szenische Interpretation dieses Materials die dramatische Verstrickung der Figuren und ihr Verhältnis zueinander. Diese Herangehensweise stellt Personenkonstellationen und Nonverbale Interpretation in den Vordergrund, der Gang der Handlung wird nur sekundär vermittelt, unterschiedliche Sichtweisen auf Handlung und Figuren sind möglich und erwünscht. Die Workshopteilnehmer erschließen sich mit den Mitteln des Theaters und nicht mit verbaler analytischer Interpretation, einen Zugang zum Stück udn erleben in der Aufführung die Protagonisten aus einer Innenperspektive. In diesem sehr kurzen Workshop kann nur eine einzige Methode praktisch erprobt werden, die aber als exemplarisch für diese sehr sinnliche und theaterpraktische Interpretation gesehen werden kann.

Biographische Kurzangaben

  • geboren in Westfalen
  • Saxophonist
  • Studium in Hamburg, Salzburg, Köln
  • Staatsexamen für das Lehramt am Gymnasium
  • Lehrer für Biologie und Musik an einem Kölner Gymnasium
  • Mitarbeiter bei:
    • Nederlands Dance Theaters (NDT)
    • Goethe Institut
    • Kölner Ballettdirektion
  • Lehrbeauftragter an der
    • Universität zu Köln
    • Kölner Musikhochschule
    • Folkwang-Hochschule Essen
  • seit 1998 Leiter der Abteilung Theater & Schule der Kölner Bühnen
  • Operndramaturg


Björn Quiring (München)

König Lear und die Naturalisierung des Ausnahmezustands

Von der Forschung ist häufig auf die Prominenz des Wortes "Natur" in den Dialogen und Monologen des King Lear hingewiesen worden. Die dramatis personae berufen sich unentwegt auf eine "nature", die ihre Handlungen lenkt und legitimiert. Im Laufe des Dramas wird zunehmend deutlich, dass dieser Bezug auf eine dem Weltgeschehen zugrundeliegende Naturordnung in Widersprüche führt, insofern er die Gesellschaft nicht nur auf ihr Ureigenes, sondern gleichzeitig auch auf ihr Anderes - den Ausnahmezustand - öffnet. Der Vortrag entwickelt den Befund, daß diese Überdeterminierung weite Teile des King Lear bestimmt, und bringt ihn mit dem zu Shakespeares Zeit vieldiskutierten, problematischen Begriff des Naturrechts in Verbindung. So wird das Drama lesbar als Entfaltung der katastrophalen Folgen eines Versuchs, politische und kulturelle Strukturen aus Naturordnungen heraus zu begründen, aber auch der Unmöglichkeit, Legitimität aus anderen Quellen zu schöpfen. Im Lear trägt sich insofern ein nach wie vor unbewältigtes Dilemma der Neuzeit aus.

Biografisches

  • Studium der Literaturwissenschaften und Philosophie in Berlin, Paris und New York.
  • 2002 bis 2005 Kollegiat des DFG-Graduiertenkollegs "Rhetorik - Repräsentation - Wissen".
  • Promotion 2007 an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) mit einer Arbeit über den Fluch in Shakespeares Königsdramen.
  • 2007 bis 2009 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Westeuropäische Literaturen an der Universität Viadrina.
  • Seit 2009 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Sonderforschungsbereich "Pluralisierung und Autorität in der Frühen Neuzeit" der Ludwig-Maximilians-Universität München.