Shakespeare Jahrbuch 2014

Umschlagmotiv

GELD UND MACHT

“Shakespeare schildert das Wesen des Geldes trefflich”, schrieb Karl Marx, als “sichtbare Gottheit” und “allgemeine Hure”. In den Stücken zirkulieren Geldbörsen und Münzen; Händler und Geldverleiher bestimmen den Verlauf des Geschehens; die Sprache der Liebe ist durchdrungen von der der Ökonomie. Damit reagieren Shakespeares Werke auf die wirtschaftlichen Umbrüche in der Frühen Neuzeit und verhandeln ihre moralischen, religiösen und politischen Implikationen. Solchen grundlegenden historischen Veränderungen widmen sich die ersten drei Beiträge des Jahrbuchs. Christina von Braun problematisiert die durch die neue Geldwirtschaft ausgelöste Frage nach den Beglaubigungsstrategien für das Geld, während Jean Howard Shakespeares Auseinandersetzung mit dem ökonomischen Wandel vom Feudalismus zum Kapitalismus diskutiert und Isabell Karremann den komplexen Zusammenhang von Markt, Individuum und Theater in den Blick nimmt. Ergänzt werden diese Beiträge durch Tiffany Sterns Aufsatz zum Handel, der nicht auf der Bühne, sondern vor, während und nach den Theateraufführungen stattfindet. In den Blick geraten damit auch die den Theatern zugrunde liegenden ökonomischen Beziehungen: der Wandel von Patronageverhältnissen zu den kommerziellen Theatern, den John Blakeley am Beispiel vom Twelfth Night und Love’s Labour’s Lost und Katherine A. Gillen an Timon of Athens beleuchtet. Die Veränderungen in einem global agierenden Theatergeschäft diskutiert Christopher Balme am Beispiel des anglo-amerikanischen Theatermanagers Maurice E. Bandmann. Die Shylock-Interpretationen von dessen Vater, Daniel Bandmann, auf der australischen Bühne der 1880er Jahre stehen im Zentrum von Nicole Anaes Beitrag. Mark Thornton Burnett schließlich zeigt am Beispiel des neuen Genre des ‘gypsy’ Shakespeare-Films, wie der Barde in den Dienst genommen wird, um die Situation der osteuropäischen Roma nach dem Ende des Sozialismus zu schildern.
Sabine Schülting