Call for Papers 2009

Das Shakespeare Jahrbuch 2009 ist dem Rahmenthema "Bühne und Bankett: Shakespeares Essen” gewidmet. Kultur geht durch den Magen, denn wie, was und mit wem wir essen, ist konstitutiver Teil unserer sozialen Identität. Dies beinhaltet nicht nur die Art und die Zubereitung der Nahrung, sondern auch die Praktiken des Kochens, des Essens und Trinkens, des Genießens und Fastens. Deshalb gründen zahlreiche Praktiken und Rituale, die soziale Zugehörigkeit regeln, im Essen und Trinken. Für die Frühe Neuzeit zeigt sich dies nicht nur in medizinisch, moralisch oder religiös argumentierenden Diätlehren, im saisonalen Wechsel von Alltags- und Festzeiten oder schichtenspezifischen Esskulturen, sondern auch in zentralen religiösen Streitfragen der Zeit wie beispielsweise der Debatte um die Eucharistie. Mit dem Beginn der Kolonisierung im 16. und 17. Jahrhundert, der Erkundung internationaler Handelsrouten und der Intensivierung politischer und ökonomischer Kontakte mit nicht-europäischen Kulturen kommen einerseits neue Produkte auf den heimischen Tisch, andererseits fungiert das Essen traditionell als Moment, mittels dessen zwischen Eigenem und Anderem unterschieden wird – mit dem Phantasma des Kannibalismus als Inbegriff absoluter Fremdheit, das mit Shakespeares Caliban auf die Bühne kommt. Mit ihren zahlreichen Gelagen und Banketten, mit Figuren großer Prasser wir Sir Toby oder Falstaff, mit verstörenden Kochkünsten wie in Titus Andronicus oder Macbeth werden in den Shakespeare-Dramen die sozialen, politischen, religiösen und geschlechtsspezifischen Dimensionen des Essens und Trinkens ausgelotet.

Die Redaktion des Shakespeare Jahrbuch erbittet Beiträge unter anderem zu folgenden Aspekten des Themas:

  • Bankettkultur und Renaissancetheater
  • Shakespeares Prasser
  • Orgien, Feste und Bankette in Shakespeares Dramen
  • Hunger, Fasten und Askese bei Shakespeare
  • Essen, Trinken und die Religion
  • Kannibalismus und Racheorgien
  • Kolonisierung und Konsum in der Frühen Neuzeit
  • Heimisches und exotisches Essen in der Frühen Neuzeit
  • Die Symbolik des Essens und der Verdauung
  • Frühneuzeitliche Körperkonzepte und Esspraktiken
  • Gutes Essen – schlechtes Essen: Rezepte und Diätlehren
  • Bankette in Inszenierungen, Verfilmungen und Bearbeitungen von Shakespeares Dramen

Bitte schicken Sie Ihr Manuskript bis zum 31. März 2008 an die Herausgeberin des Shakespeare Jahrbuches.