Call for Papers 2008

Das Shakespeare Jahrbuch 2008 soll dem Rahmenthema „Stille – Geräusch – Stimme“ gewidmet sein. Shakespeares Dramen erschöpfen sich nicht in Monologen und Dialogen; auf der Bühne wird gelärmt, musiziert, geschrieen oder geschwiegen. Im Zentrum der Beiträge soll folglich nicht die Bedeutung der Wörter stehen, die zu hören sind, sondern vielmehr die körperlichen, die emotionalen und kognitiven Dimensionen des Hörens sowie die Ästhetik von Stille, Ton und Stimme. Die Dramen Shakespeares problematisieren die besondere Bedeutung des Hörens und präsentieren das Ohr als ein ambivalentes Organ. Das Hören oder Belauschen ist vielfach erotisch aufgeladen; doch durch allzu bereitwillige Akzeptanz der Geschichten, die erzählt werden, wird das Individuum verletzlich und ist in seiner Integrität bedroht. Auf der anderen Seite konstituiert sich die Gemeinschaft über das kollektive Hören – auf der Bühne wie im Zuschauerraum. Shakespeares Dramen geben folglich auch Aufschluß über die frühneuzeitlichen soundscapes, die Bruce Smith in seiner Studie über die Acoustic World of Early Modern England untersucht hat:über Praxen des Hörens, die kulturellen Bedeutungen bzw. Ordnungen von Geräuschen in der Frühen Neuzeit. Das Rahmenthema schließt zudem die akustischen Besonderheiten einzelner Inszenierungen ein und fragt nach Adaptionen der Shakespeareschen Texte ‚für das Ohr’.

Die Redaktion des Shakespeare Jahrbuch erbittet Beiträge insbesondere zu folgenden Aspekten des Themas:

  • The rest is silence“: Funktionen und Ästhetik der Stille; das Verstummen der Figuren
  • Her voice was ever soft, gentle, and low“: Stimme und Figur; performative und ästhetische Aspekte der Stimme; Körper und Stimme; geschlechtsspezifische Aspekte der Stimme; Text und Stimme
  • If music be the food of love, play on“: Musik und Gesang in den Shakespeare-Stücken; Musik und Text
  • To split the ears of the groundlings“: Lärmen in den Stücken und auf der Bühne; Bühnenakustik; das Verhältnis von visuellen und auditiven Aspekten des Theatergeschehens
  • And with a greedy ear devour up my discourse“: Hören in Shakespeares Stücken; Lauschszenen; die Lust am Hören; ‚Gift’ im Ohr
  • The noise of battle hurtled in the air”: die soundscapes des frühneuzeitlichen Englands und des frühneuzeitlichen Theaters
  • Open your ears … when loud Rumour speaks“: Shakespeare und die akustische Welt der Frühen Neuzeit; kulturelle Techniken des Hörens; Gerüchte, Klatsch und Tratsch; Hören und Gemeinschaft; Ge-horchen; Hören und Macht
  • Make passionate my sense of hearing“: Shakespeare-Hörbücher und Shakespeare in der Musik

Bitte schicken Sie Ihr Manuskript im Umfang von ca. 5.000 Wörtern bis zum 31. März 2007 an die Herausgeberin des Shakespeare Jahrbuches.

Adresse

Prof. Dr. Sabine Schülting
Redaktion des Shakespeare Jahrbuchs
Institut für Englische Philologie
Freie Universität Berlin
Goßlerstr. 2-4

D-14195 Berlin

e-mail: jahrbuch(at)shakespeare-gesellschaft.de
Tel.: +49-30-838 72346