Beiträge aus dem Shakespeare-Jahrbuch 139 (2003)

Shakespeare im Internet

Informationsmöglichkeiten 2002/2003

Von Werner Habicht

Aus dem Herzen von Shakespeare-Land, aus Birmingham und Stratford, kommt neuerdings „Touchstone“ (www.touchstone.bham.ac.uk) und wendet sich, jeweils gezielt, an mit Shakespeare befaßte Forscher, Lehrer, Theaterpraktiker, Studierende und Liebhaber; versprochen werden der Zugang zu einschlägigen britischen Bibliotheken und Archiven, Nachrichten über Shakespeare-Aufführungen und Tagungen sowie ein interaktiver Auskunftsdienst. Man möchte diesem noch in der Entwicklung begriffenen Unternehmen größere Dauer wünschen, als sie dem nicht minder ehrgeizigen, aber inzwischen eingegangenen „Arden-Net“ beschieden war, dessen URL (www.ardenshakespeare.com) jetzt hauptsächlich Verlagsmitteilungen liefert. Einen reichhaltigeren Katalog von Neuerscheinungen zu Shakespeare in Buch und Video offeriert freilich die „Writing Company“ (www.writingco.com/c/@AD3gQ0V6NzIfQ/Pages/shakespeareindex.html).

Die „Internet Public Library“ hat eine nach Werken geordnete Liste frei zugänglicher elektronischer Texte(http://www.ipl.org/div/books/); diese enthält auch einige apokryphe Dramen und Adaptionen. Mehr oder minder ergiebige Homepages zu einzelnen Dramen sind namentlich beim Hamlet so zahlreich geworden, daß es dafür eigener Orientierung bedarf. Darum bemüht sich „Shakespeare’s Hamlet on the Web“[Anmerkung: Seite existiert nicht mehr, 08.03.2007]; die Links führen zu online-Texten des Dramas, einschließlich chinesischer, deutscher, französischer, italienischer und russischer Übersetzungen, zu neunzehn Hamlet-Homepages, zu zahlreichen Essays und Studienhilfen, zu Adaptionen, Parodien, Filmen und Musik sowie zu Bildern von Hamlet-Szenen und namhaften Hamlet-Darstellern.

Eine Datenbank mit um die 400 Szenenfotos aus Shakespeare-Aufführungen und Filmen stellt neuerdings „Cleveland Press Shakespeare Photographs“ zur Verfügung (www.ulib.csuohio.edu/shakespeare/about.shtml). Sie ist nach Stücken und Stichworten durchsuchbar; der Klick auf jedes der aneinandergereihten Identifikationsbildchen liefert nicht nur eine vergrößerte Ansicht, sondern auch die dazugehörige Dokumentation. Im Zeichen der neuentflammten Diskussionen um des Dramatikers religiöse Affinitäten hilfreich sind die als „Shakespeare and Religion Chronology“ (http://www2.bc.edu/~taylor/shakes.html) präsentierten ausführlichen Annalen religiöser und literarischer Ereignisse vor, nach und vor allem während Shakespeares Lebenszeit. D. J. Kathmans umfassendes biographisches Verzeichnis von ca. 2900 mit dem Theater der Shakespearezeit direkt oder indirekt verbundenen Personen wurde gründlich revidiert und beträchtlich erweitert; es erscheint nun unter dem Titel „Biographical Index of English Drama before 1660“ und unter neuer Adresse (http://shakespeareauthorship.com/bd). Eine neue Adresse hat auch das unablässig anschwellende Diskussionsarchiv SHAKSPER (jetzt: www.shaksper.net). Beständig erweitert wird „Internet Shakespeare Editions“ (http://web.uvic.ca/shakespeare/index.html), zuletzt durch eine Serie gehaltvoller Essays zur weltweiten Rezeption (>Library >Context and criticism). Mit eigenen Internet-Auftritten sind zudem etliche Dramatiker-Zeitgenossen Shakespeares bedacht, besonders üppig Christopher Marlowe (http://www.perseus.tufts.edu/Texts/Marlowe.html), Thomas Middleton (www.tech.org/~cleary/middhome.html) und Beaumont / Fletcher (http://english.uq.edu.au/drama/fletcher/index.html), alle mit vollständigen Texten der Werke. Bei der Analyse literarischer Texte (nicht nur Shakespearescher) hilft „Silva Rhetoricae“ Freude haben (http://humanities.byu.edu/rhetoric/silva.htm), wo rhetorische Begriffe und Figuren definiert und mit Beispielen und Querverweisen erläutert werden. Interessenten an Fragen der Shakespeare-Übersetzung werden zwei neuerrichtete Datenbanken begrüßen, deren künftige Aktualisierung versprochen wird. Auskünfte, Materialien und Links zu „Shakespeare Translators“ in dreißig europäischen Sprachen finden sich unter http://www.pages.unibas.ch/shine/translators.htm. Eine kommentierte Bibliographie alter und neuer Übersetzungen der Sonette bietet http://web.uni-bamberg.de/split/britkult/links/shakesontheinternet/index.htm.  [Anmerkung: Die Seite des Lehrstuhls für Britische Kultur an der Universität Bamberg befindet sich zur Zeit im Umbau, die Shakespeare-Seiten sind zum Teil nicht verfügbar, 09.03.2007].

Im übrigen sind im Internet heute die meisten professionellen Bühnen vertreten, zumindest mit mehr oder weniger ausführlichen Angaben zu ihren Ensembles und Spielplänen. Eine internationale Übersicht (http://vl-theatre.com/list13.shtml) vermittelt Links zu Theater-Sites aus aller Welt; zu solchen in Deutschland führt u. a. der Deutsche Bühnenverein (http://www.buehnenverein.de/). Einige derjenigen Truppen, die erklärtermaßen Shakespeare-Aufführungen besonders pflegen, bieten immerhin einiges mehr als Programmnachrichten und Kartenbestellfunktionen – so etwa die bremer shakespeare company (http://www.shakespeare-company.com/), das Londoner Globe Theatre (www.shakespeares-globe.org) oder die neuerdings vielgepriesene amerikanische Truppe Shenandoah Shakespeare in Staunton, Virginia (http://www.americanshakespearecenter.com/); selten indes sind Aufführungs-Dokumentationen so reichhaltig wie die der australischen Bell Shakespeare Company (www.bellshakespeare.com.au).