Martin-Lehnert Preisträgerin 2011

2011 wurde der Martin-Lehnert Preis an Frau Friederike Schmiga (Freiburg) vergeben, die eine hervorragende Magisterarbeit zum Thema “Unnatural and Unconventional Liaisons in Renaissance Drama” verfaßt hat.

Im folgenden finden Sie Auszüge aus der Laudatio, die Prof. Dr. Joachim Frenk (Saarbrücken) anläßlich der Preisverleihung am 22. April 2012 während der Bochumer Frühjahrstagung gehalten hat:

Frau Friederike Schmiga hat im Wintersemester 2010/11 an der Universität Freiburg ihre Magisterarbeit mit dem Titel “Unnatural and Unconventional Liaisons in Renaissance Drama” eingereicht. Die Betreuerin war Prof. Dr. Monika Fludernik. Die Mitglieder der Kommission haben aufgrund ihrer Lektüre der Arbeit ihre Gutachten erstellt. Wir kamen aufgrund der hervorragenden Qualität dieser Magisterarbeit zu dem Schluss, dass wir der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft die Verleihung des Martin Lehnert-Preises an Frau Friederike Schmiga vorschlugen – und die Gesellschaft ist zu unserer Freude unserem Vorschlag gefolgt.

In der Arbeit geht es um Liebesbeziehungen, die in verschiedenen Hinsichten von den gängigen Normen abheben, die sich also außerhalb der gängigen frühneuzeitlichen Ordnung der Dinge, der Liebesdinge, konstituieren und fortschreiben. Diese Beziehungen bringen Spannungen und Widersprüche zum Vorschein, sowohl auf individueller als auch auf über-individueller Ebene – Widersprüche, die aufbrechen und damit diskursiven Raum schaffen für Neues, Anderes, das sich oftmals aus zuvor Verdrängtem generiert. Damit geraten das diskursive Potential und die Limitierungen gängiger Begriffe – wie z.B. „rechtmäßig“, „unnatürlich“, „Liebe“ und „Sexualität“ – in den Blick. Zudem werden die sozialen, ökonomischen und politischen Dimensionen dieser Beziehungen, die im analogischen Denken der Renaissance oft auf das engste verbunden waren, analysiert und interpretiert. Die drei von Frau Schmiga für die nähere Analyse gewählten Primärtexte entstammen alle der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts: John Websters The Duchess of Malfi, Thomas Middletons Women Beware Women und John Fords ’Tis Pity She’s a Whore.

Frau Schmiga bewegt sich jederzeit kompetent innerhalb ihres Themas. Sie überzeugt mit ihrer Arbeit, auch wenn keines der untersuchten Dramen von Shakespeare ist. Das klar auf das frühneuzeitliche Drama bezogene Erkenntnisinteresse und die Exzellenz der thematischen Behandlung sprechen deutlich für die Preiswürdigkeit der Arbeit. Frau Schmiga bedient sich in ihrer Arbeit zudem eines eleganten akademischen Schriftenglischen. Die Kommission ist überzeugt, dass mit dieser Entscheidung die Shakespeare-Gesellschaft eine talentierte Nachwuchswissenschaftlerin ausgezeichnet wird, deren vorgelegte Arbeit für die Zukunft weitere hervorragende Leistungen erwarten lässt.