Martin-Lehnert-Peisträger 2017

2017 wurde der Martin-Lehnert Preis an Herrn Jonas Kellermann (Berlin) vergeben, der eine hervorragende Masterarbeit zum Thema ““Think anon it lives”: Oscillating Perceptions in Shakespeare’s The Winter’s Tale” verfasst hat.

Im folgenden finden Sie die Laudatio, die Prof. Dr. Felix Sprang (Siegen) anläßlich der Preisverleihung am 23. April 2017 während der Weimarer Frühjahrstagung gehalten hat:

Mit dem diesjährigen Martin-Lehnert-Preis prämiert die Shakespeare-Stiftung die Masterarbeit von Jonas Kellermann, in deren Zentrum eine konkrete Inszenierung der Romanze The Winter’s Tale der Kenneth Branagh Theatre Company aus dem Jahr 2015 steht. Die Abschlussarbeit mit dem Titel “Think anon it lives”: Oscillating Perceptions in Shakespeare’s The Winter’s Tale, die an der FU Berlin entstanden ist, folgt Simon Palfreys Bewertung „there is no play more intent than The Winter’s Tale on probing the weird magic of the theatrical medium, or more serious in its theorizing of theatrical art” (3). Herr Kellermann analysiert in seiner Arbeit sehr gewissenhaft und anschaulich das Schwellenphänomen eines Oszillierens, eines Oszillierens zwischen der Wahrnehmung des/der Darstellers/in als Schauspieler/in und als Bühnenfigur. In gewisser Weise betrachtet der Verfasser also die technische Seite des Phänomens, das Brecht „Verfremdungseffekt“ genannt hat. In diesem Zustand, den Erika Fischer-Lichte als „[being] suspended between two orders of perception, caught in a state of ‚betwixt and between‘ “ (7) bezeichnet hat, sieht der Verfasser einen für die Romanzen gattungstypischen Rezeptionsmodus. Dabei liegt das Augenmerk auf strukturellen Phänomenen, die dieses Oszillieren bewirken oder zumindest ermöglichen: zunächst einmal auf der Musik, die Patrick Doyle für die Inszenierung komponiert hat, dann auf den Videosequenzen, die eine historisierende Aufführung brechen. Den Bekanntheitsgrad der Schauspielerin Judy Dench führt der Verfasser zudem als Grund an, warum Zuschauer zwischen Shakespeares Figur Paulina und der leibhaftigen Schauspielerin oszillieren. Und schließlich betrachtet der Verfasser die Figur Time als Schwellenfigur.

Das mit Hilfe der Textanalyse entwickelte Argument ist gut strukturiert; Verweise auf einschlägige Sekundärliteratur sind gut integriert. Das Oszillieren, so kann der Verfasser überzeugend darlegen, bereitet die Schlussszene, die Wiederbelebung Hermiones, vor. Für eine Masterarbeit eine sehr reife Leistung.