Articles from the Shakespeare-Jahrbuch 136 (2000)

Shakespeare im Internet

Informationsmöglichkeiten 1999/2000

Von Werner Habicht

Mit der Verbreitung des Internet schwellen auch die von dort abrufbaren Daten, Texte, Informationen und Meinungen zu Shakespeare und verwandten Themen unablässig an. Eine Suche mit ALTA VISTA lieferte (im August 1999) zum Stichwort "Shakespeare" 722640 Treffer; ein Jahr davor waren es erst 455160. Die hilfreichste Orientierung in der heterogenen Fülle bietet die von Terry A. Gray betreute Meta-Site Mr. William Shakespeare and the Internet, eine gut sortierte, qualitätsbewußt kommentierte, laufend aktualisierte und daher zuverlässig weiterführende Linksammlung, auch wenn sie vor allem die Interessen des amerikanischen Universitäts- und Collegebetriebs im Auge haben mag. Sie führt zunächst zu etlichen elektronischen Texten der Werke (einschließlich Transkriptionen und Faksimiles originaler Quartos und Folios), die zwar deren kritische Buchausgaben nicht ersetzen werden, aber z.T. das rasche Durchsuchen nach Wörtern, Kollokationen, Zitaten usw. erlauben, besonders intelligent im Falle von The Works of the Bard. Weitere Rubriken liefern, nebst einigem Skurrilen, vielfältiges Material zu Shakespeares Leben, Theater, Quellen und Hintergründen, zur Shakespeare-Kritik sowie zu Shakespeare im Unterricht. Anregungen für diesen und überhaupt für das Shakespeare-Studium bieten überdies Michael Mullins Cyber Shakespeare [Anmerkung: Ressource existiert nicht mehr, 06.03.2007], oder auch Tools for Teaching Shakespeare.

Stärker forschungsorientiert zeigt sich das ebenfalls als Einstieg geeignete, anspruchsvoll moderierte Arden-Net. Dort finden sich etwa unter der Rubrik "Professional" auch internationale Zusammenstellungen von Shakespeare-Gesellschaften (teils mit eigenen homepages) und Tagungen zu Shakespeare-relevanten Themen; geboten werden zudem Essays und diverse Diskussionsforen. Die letzteren sind freilich weniger aktiv als die von Hardy Cook moderierte e-mail Diskussionsliste SHAKSPER. Dort trägt sich ein überaus lebhafter Informations- und Gedankenaustausch zu; anmelden kann man sich mit einer e-mail an LISTSERV(at)ws.BowieState.edu (Betreffzeile freilassen; als Text nur "SUB SHAKSPER Vorname Nachname", woraufhin nähere Anweisungen ergehen.

Bibliographische Recherchen lassen sich heute bequem in den online-Katalogen der größeren Bibliotheken durchführen, z.B. British Library. Der Katalog der Folger Shakespeare Library mit ihren reichen Beständen ist ab 2000 im Internet durchsuchbar. Frei abrufbar sind überdies etliche Sammlungen von Texten aus der englischen Renaissance, die normalerweise weit weniger leicht zugänglich sind als diejenigen Shakespeares selbst, etwa Renaissance Editions, oder auch Shakespeare-Übersetzungen in verschiedene Sprachen deutsche im Projekt Gutenberg Deutschland , sogar eine völlig neue niederländische. Überaus nützlich ist die zur Suche nach audiovisuellen Materialien gebotene Hilfe; unter http://us.imdb.com findet man Angaben zu an die 400 Shakespeare-Verfilmungen von den frühesten Stummfilmen bis zu Shakespeare in Love (dem letzteren gelten außerdem mehrere eigene Homepages). Verfügbare Tonträger und Videos von Shakespeare-Inszenierungen sind unter http://www.bardcentral.com/ verzeichnet.

Üppig sind die Informationen zu Shakespeare im Theater sowie zu aktuellen Aufführungen und Festivals. Besonders hingewiesen sei hier nur auf die Sites der Royal Shakespeare Company und des wiedererbauten Londoner Globe Theatre . Doch viele Theater in aller Welt haben ihre homepages, die mehr oder minder ausführlich einschlägige Hinweise vermitteln.