Autumn Conference at Bochum 2006 - Speakers

Werner Habicht

Vortrag “Wandlungen des Midsummer Night's Dream – oder: Warum es so viele Sommernachtsphantasien gibt”

Inszenierungen und Deutungen haben Shakespeares meistgespielter Komödie extreme Wandlungen bereitet. Galt im 17. und 18. Jahrhundert das Interesse eher einzelnen seiner Bestandteile, und im 19. Jahrhundert deren mit delikater Poesie gesponnenem und um ballettöse Elfenreigen und romantischer Musik bereichertem Zusammenspiel, so ist seit dem 20. Jahrhundert der Traum auch zum Albtraum geworden, liebliche Zartheit zu erotischer Besessenheit, heiteres Vergnügen zu dunkler Bedrohung. Was einst als unverfänglich und daher als für Kinder- und Schulaufführungen besonders geeignet galt, wird heute zuweilen als jugendgefährdend gebrandmarkt. Die Ursache für solchen Wandel liegt nicht nur in veränderten Sensibilitäten der Betrachter, in zeit- und kulturbedingten Grenzerweiterungen der Phantasie, sondern letztlich in den dafür offenen Vorgaben des Textes selbst. Schon dessen Zusammensetzung aus unterschiedlich dimensionierten Handlungen – Fürstenhochzeit, jugendliche Liebeswirren, Elfenzauber, Theaterparodie – legt unterschiedliche Akzentuierungen sowohl der Fügung zum Ganzen als auch der problematisierenden "Differenz" nahe. Verbalisierte Klänge und Gegenklänge, aber auch das hintergründig Verschwiegene, dazu die Verschachtelung der Spielebenen, das Gegeneinander von Einbildungskraft und Vernunft, und nicht zuletzt die Verwandlungen, die sich im Stück zutragen, lassen üppigen Sommernachtsphantasien reichlich Raum. Nicht nur Zettels (Bottoms) Traum "has no bottom", sondern der Midsummer Night's Dream insgesamt. Auch die turbulente Essener Inszenierung wird es bezeugen.

Peter W. Marx

Kurzbiographie

  • 1997: Magister Artium mit einer Arbeit zu Heiner Müllers „Bildbeschreibung“
  • 2000: Promotion mit einer Dissertation „Theater und kulturelle Erinnerung. Kultursemiotische Untersuchungen zu George Tabori, Tadeusz Kantor und Rina Yerushalmi“
  • 2003: Ernennung zum Professor als Juniorprofessor
  • 2004: Gewährung eines Feodor-Lynen-Fellowships durch die Alexander von Humboldt-Stiftung zur Durchführung eines Forschungsprojektes an der Columbia University in the City of New York als part-time-fellow in den Jahren 2004-2006: Aug.-Okt. 2005; Okt. 2005-März 2006; dritte Phase 2006/ 2007
  • 2005: Sommersemester: Gastdozentur am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Wien
  • 2006: Erscheinen des neuen Buches „Max Reinhardt: Vom bürgerlichen Theater zur metropolitanen Kultur.“ Tübingen: Francke.

Vortrag: "'Ein richtiger Wald, ein richtiger Traum!' Max Reinhardts Inszenierung des Sommernachtstraums im Licht der Bühnengenealogie"

Als am 31. 1. 1905 im Neuen Theater in Berlin die Vorstellung von Shakespeares „Sommernachtstraum“ beginnt, bricht eine neue Ära der deutschen Theatergeschichte an: Nicht nur begründet diese Inszenierung die kometenhafte Karriere Max Reinhardts, der in den folgenden Jahren zum wichtigsten Theatermann in Deutschland aufsteigt, auch die Ära des Naturalismus auf der Bühne scheint beendet und einer neuen, farbenfrohen, opulenten Ästhetik zu weichen.
Der Vortrag versucht, dem Zauber nachzuspüren, den dieser Sommernachtstraum auf das zeitgenössische Publikum ausübte, um aufzuzeigen, wie sich hier in komplexer Weise, ästhetische, kulturkritische, technische und neue soziale Diskurse verschränken. So entdeckt sich einem historisierenden Blick der Shakespearsche Traum in Reinhardts Bildern als eine Chiffre kultureller Verhandlung und kollektiver Sehnsucht. Ein Traum eben – ein richtiger Traum.<

Susanne Schroeder-Thürauf

Biographie

Susanne Schroeder-Thürauf ist seit 1988 Lehrerin am Gymnasium und derzeit Seminarleiterin am Melanchthon-Gymnasium Nürnberg. Sie ist aktiv in der Lehrbuchentwicklung tätig. Ihr besonderes Interesse gilt der Vermittlung älterer Literatur im Unterricht, wozu sie auch vielfältig publiziert hat.  Ein zweiter Forschungsschwerpunkt liegt auf der interkulturellen Bedeutung von Geruch.

Vortrag: "A Man for all Grades- Shakespeare in der Mittel- und Unterstufe"

Schade, ich würde auch mal wieder gern Shakespeare machen, aber ich hab' ja keine Oberstufe dieses Jahr…

Kann und soll man sich bereits in der Mittel- oder eventuell sogar in der Unterstufe mit Shakespeare beschäftigen? Wenn  ja, wie kann das gehen?

Diesen Fragen versucht das Kolloquium für Lehrende nachzugehen. Dabei sollen Materialien und Methoden vorgestellt, bzw. auf ihre Eignung hin überprüft werden.