[Kategorie: Calls]
Sonntag, 3. Mai 2009

Zwischen Volkstheater und Welttheater: Die Bremer Shakespeare Company

von Cecile Sandten

Call for Papers für für den geplanten Sammelband
Hrsg. Cecile Sandten und Norbert Schaffeld
Arbeitszeit: 2 Jahre
Veröffentlichungstermin: September 2011
Veröffentlichung in der Reihe CHAT (Chemnitzer Anglistik/Amerikanistik Today), WVT Trier

Die Bremer Shakespeare Company ist Teil der deutschen Theatergeschichte und gehört heute mit ihren Aufführungen, Projekten und kulturellen Veranstaltungen zu den wichtigsten Exponenten der norddeutschen Kulturszene. Ihre Anfänge weisen auf das Jahr 1983 zurück, in dem nicht nur die etablierten parlamentarischen Konstellationen der Bundesrepublik eine innovative Verschiebung erfuhren, sondern in dem sich auch die Frauenbewegung sowie die Friedensinitiativen nachhaltig zu Wort meldeten. In diesem zeitgeschichtlichen Kontext hatten sich die Gründungsmitglieder, unter anderem Chris Alexander, Gabriele Blum, Hille Darjes, Renato Grünig und Rainer Iwersen, bereits aktiv an der Entwicklung alternativer Spielformen an deutschen Theatern beteiligt. Sie schöpften ihre Ideen – gleichsam Utopien – für ein deutschlandweit einzigartiges Theaterprojekt aus den Erfahrungen und Enttäuschungen ihrer jeweiligen Arbeit mit verschiedenen Theaterleitungen und Regisseuren deutscher Staatstheater. Die Bewegungen der 1980er Jahre ermutigten sie, sich vom staatlichen Theaterbetrieb loszusagen und ein Modell der Selbstbestimmung mit neuen künstlerischen Ansätzen und der Konzentration auf den Theaterklassiker William Shakespeare zu wagen. Dazu gehörte und gehört noch, wie in der Selbstdarstellung der Bremer Shakespeare Company in jedem Programmheft nachzulesen ist, "die kontinuierliche Beschäftigung mit Shakespeare, den Spielweisen des Volkstheaters, die Entwicklung eigener Stücke, Projekte und die Erforschung dazugehöriger Arbeitsweisen".

Für die Bremer Shakespeare Company leitet sich die Definition des Volkstheaters in Analogie zur elisabethanischen Theaterpraxis aus Robert Weimanns Untersuchung Shakespeare und die Tradition des Volkstheaters (1967) ab. Nach der intensiven Beschäftigung mit diesem Kon­zept und der erfolgreichen Inszenierung des Othello am Rheinischen Landestheater Castrop-Rauxel trafen Chris Alexander und Rainer Iwersen den Entschluss, Weimanns Thesen als theoretische Basis für die Gründung und nachfolgende Spielpraxis der Bremer Shakespeare Company aufzunehmen.

Auf dieser Grundlage haben sich vielfältige Spielarten der nationalen und internationalen Zusammenarbeit ergeben, wie zum Beispiel die langjährige Kooperation mit dem Globe Theatre London oder dem Globe Theater in Neuss. Ferner ist daraus das Festival "Shake­speare & Companies I" (1993) entstanden, bei dem Theatergruppen aus vier Kontinenten zur Zusammenarbeit eingeladen wurden. Die Begegnungen mit den Künstlerinnen und Künstlern während des Festivals haben weit reichende Kooperationen sowie intensive Workshoparbei­ten hervorgebracht. Im Rahmen der Hongkong Tage in Bremen im Jahr 2001 veranstaltete die Bremer Shakespeare Company das zweite internationale Festival, "Shakespeare aus Asien", auf dem u.a. Aufführungen der "Annette Leday/Keli Company" (Frankreich/Indien) in Kooperation mit der Bremer Shakespeare Company gezeigt wurden.

Unter allen Klassikern der Weltliteratur gilt insbesondere William Shakespeare als Bühnen­autor, dessen Werke bis heute nichts an ihrer überzeitlichen Attraktivität eingebüßt haben. Gerade aufgrund der komplexen Repräsentation der politischen, historischen, humanistischen, kulturellen, sprachlichen und interkulturellen Wirklichkeiten lassen sich die Dramen Shakespeares in heterogenen soziohistorischen Kontexten aufführen. Seit ihrer Gründung fühlt sich die Bremer Shakespeare Company dem Volkstheaterkonzept sowie ver­schiedenartigen Traditionen des Welttheaters verpflichtet. In der Ausrichtung auf das Volkstheater Shakespeares verfügt die Company zweifellos über ein Alleinstellungsmerkmal in der deutschen Theaterlandschaft. Diese auch international beachtete Entwicklung ist Anlass für die geplante Publikation Zwischen Volkstheater und Welttheater: Die Bremer Shakespeare Company, die eine in der Bundesrepublik Deutschland einmalige Theatergeschichte mit Blick auf ihre theoretischen Facetten und praktischen Umsetzungen wissenschaftlich nachzeichnen möchte.

Zu den folgenden Kapiteln werden Beitragsvorschläge erbeten:

1.0 Einleitung

2.0 Shakespeare auf der deutschen Theaterbühne nach 1945

2.1 Shakespeare in der Bundesrepublik

2.2 Shakespeare in der Deutschen Demokratischen Republik

2.3 Shakespeare nach der Wende

3.0 Zwischen Volkstheater und Welttheater

4.0 Die Bremer Shakespeare Company: eine Theaterutopie?

4.1 Theoretischer Rahmen

4.2 Praktische Umsetzung

4.3 Die Bremer Shakespeare Company und ihre Übersetzungen

4.4 Die Bremer Shakespeare Company im internationalen Dialog

4.5. Der externe Blick auf die Bremer Shakespeare Company

4.6 Die Bremer Shakespeare Company und die Schule

4.7 Das Feuilleton

5.0 Entwicklungen von 2001 bis heute

6.0 Interviews mit ehemaligen und aktuellen Mitgliedern

6.1 Interviews

6.2 Round-Table-Gespräch

7.0 Ausblick: Shakespeare in Bremen und der Welt

Bitte schicken Sie Ihren Beitragsvorschlag (Arbeitstitel) bis zum 31.07.2009 an eine der folgenden Adressen:

Professor Dr. Cecile Sandten       

Professor Dr. Norbert Schaffeld

Anglistische Literaturwissenschaft

Anglistik: Literaturwissenschaft

Philosophische Fakultät

Fachbereich 10

TU Chemnitz

Universität Bremen

Reichenhainer Straße 39

Bibliothekstraße

09107 Chemnitz

28359 Bremen

Tel.: 0371/531-37353 oder -34285 (Sekretariat: Frau Zenner)

Tel.: 0421/218-68140 oder -86054

(Sekretariat: Frau Mai)

Email: cecile.sandten(at)phil.tu-chemnitz.de

Email: nsch(at)uni-bremen.de



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