[Kategorie: Ausstellungen]
Mittwoch, 5. Februar 2014

Tell My Story: Hamlet auf dem deutschen Theater von 1600 bis heute

von Dieter Fuchs

Gemeinsames Ausstellungsprojekt des Theatermuseums Düsseldorf und des Deutschen Theatermuseums München zum Shakespearejahr:
München, 4.4.– 22.6.14 / Düsseldorf, 24..10.2014 – 22.2.2015

William Shakespeares „Hamlet“ hat seit über 400 Jahren nichts von seiner Faszination und Aktualität für Theatermacher und Zuschauer eingebüßt. Es ist ohne Zweifel das meistgespielte Theaterstück der Weltliteratur. Der Mensch und seine Beziehungen stehen in seinem Zentrum. Doch zugleich ist es ein Stück über Theater. Als es nachweisbar 1602 zum ersten Mal in London aufgeführt wird, ist London schon eine Theatermetropole. Englische Schauspieler bringen das Stück auf den europäischen Kontinent. Mit ihrem Wirken in Deutschland nimmt das professionelle deutsche Theater seinen Anfang.

Die Ausstellung, die aus Anlass des 450. Geburtstags von William Shakespeare in München und dann in Düsseldorf zu sehen sein wird, basiert auf langjährigen Vorarbeiten des Theatermuseums der Landeshauptstadt Düsseldorf und folgt Hamlets Spuren durch die deutsche Theaterentwicklung. Die gemeinsame Arbeit der beiden Theatermuseen – mit Unterstützung der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft – unterstreicht die Bedeutung des Theaters wie auch der Dokumentation der vergänglichen Theaterkunst in Deutschland.

Hamlet gehört zu den Traum-, aber auch traumatischen Rollen vieler bedeutender Schauspieler. Die Liste der Hauptdarsteller gleicht einem Who is who des Theaters, birgt aber auch Überraschungen, wenn Regisseure (deutsche wie ausländische Gäste) die Rolle „gegen den Strich“ besetzen. Berühmte Darsteller wie Johann Brockmann, Josef Kainz, Alexander Moissi, Gustaf Gründgens bis zu Ulrich Wildgruber, Klaus Maria Brandauer, Ulrich Tukur oder Lars Eidinger lassen die Vielschichtigkeit und die unzähligen Interpretationsmöglichkeiten des Stückes und seiner Titelfigur nur erahnen.

Auch jenseits des Theaters ist Hamlet zu einer Metapher und zu einem medialen Zeichen geworden. Bearbeitungen, Verfilmungen, Comics, Mangas und sogar Bilderbücher transportieren das Bild des Dänenprinzen in alle Köpfe und zeugen von der ungebrochenen Kraft des Theatermythos.

Wie das Theater zum Seismographen der Zeit geworden ist, die nach Hamlet „aus den Fugen ist“, machen unterschiedliche Interpretationen (allein 90 deutsche Übersetzungen sind bekannt) und  Regieansätze vom 18. Jahrhundert bis heute. Aktuelle Inszenierungen wie die von Leander Haussmann, Volker Lösch, Jan Klata oder Luc Perceval werden durch Einblicke in Inszenierungen aus der Goethezeit oder Regiearbeiten von Max Reinhardt, Gustaf Gründgens, Karl Heinz Stroux, Peter Zadek, Hans Günther Heyme oder Jürgen Gosch kontrastiert und lassen künstlerische Entscheidungsprozesse erfahrbar und nachvollziehbar werden.

Das Stück bietet Gelegenheit, das Theater und die Rollen, die wir alle spielen, kennen zu lernen, und die Auseinandersetzung mit den Kunstmitteln des Theaters leistet einen wesentlichen Beitrag zur kulturellen Bildung für aktuelle und zukünftige Theaterzuschauer. 

München, 4.4.– 22.6.14

Düsseldorf, 24..10.2014 – 22.2.2015

Zur Ausstellung erscheint im Henschel-Verlag eine begleitende Publikation. Die Herausgeber Dr. Claudia Blank und Dr. Winrich Meiszies leiten die Theatermuseen in München und Düsseldorf. Die weiteren Beiträger sind namhafte Theaterwissenschaftler und -praktiker sowie Shakespeare-Experten. Neben Einzelbeiträgen zu Hamlet  im deutschen Theater im 17. und 18. Jahrhundert stehen einzelne Darsteller wie Gustaf Gründgens. Fritz Kortner und Ulrich Wildgruber im Blickpunkt. Eine Bildgeschichte der der Hamlet-Aufführungen in vier Jahrhunderten mit ausführlichen Kommentaren macht die deutsche Theatergeschichte anschaulich. Ausstellung und Publikation werden durch die Landeshauptstadt Düsseldorf und das Land Nordrhein-Westfalen neben einer Reihe von Stiftungen und Initiativen in besonderem Umfang gefördert.

 



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